Ein Aneurysma ist eine ballonartige Aussackung der Gefäßwand, meist in Arterien. Aneurysmen entstehen an Schwachstellen in der Gefäßwand und können angeboren sein oder erst im Laufe des Lebens entstehen. Sie entwickeln sich langsam meist ohne Symptome und wachsen ca. 4 mm im Jahr.

Aneurysmen sind auch vererbbar. Allerdings weist nur ein geringer Teil der Aneurysmen eine genetische Disposition und damit eine familiäre Häufung auf.

Während in der Gesamtbevölkerung die Häufigkeit eines Aneurysmas bei etwa 2 % liegt, steigt das Risiko für ein Aneurysma auf 4 % an, wenn bereits ein Familienangehöriger ersten Grades (Vater, Mutter, Kinder, Geschwister) an einem Aneurysma erkrankt ist, und auf 8 % an, wenn zwei Verwandte ersten Grades Aneurysmen haben.

Wann reißt ein Aneurysma? Wie gefährlich ist ein Bauchaortenaneurysma?

Wie merkt man, wenn die Aorta platzt?

Aneurysmen treten am häufigsten im Bauchraum auf. Ein abdominales Aortenaneurysma ist eine krankhafte irreversible Erweiterung der Bauchaorta, verursacht durch eine Destabilisierung der Arterienwand. Als pathologisch werden die Erweiterungen größer als 30 mm betrachtet. In der Regel weisen Aortenaneurysmen keine Symptome oder Beschwerden auf. Die Bauchaorta kann aber an der Stelle des Aneurysmas platzen, wenn die Erweiterung der Gefäßwand einen kritischen Wert überschreitet. Ist ein Aortenaneurysma geplatzt, ist mit einer innerlichen Verblutung und somit mit nur geringen Überlebenschancen zu rechnen. Durch den massiven Blutverlust fällt der Blutdruck schnell ab. Der Patient erleidet einen Kreislaufschock. Das erste Anzeichen einer Ruptur ist das Auftreten von Schmerzen im unteren Bauchbereich und Rücken.

Die abdominalen Aortenaneurysmen können in jedem Alter auftreten, sind aber eher selten. In der Altersgruppe über 65 Jahre wird jedoch gemeinhin die Ruptur des abdominalen Aortenaneurysmas als zehnt-häufigste Todesursache geführt, wobei die Häufigkeit von abdominalen Aortenaneurysmen bei Männern wesentlich höher ist als bei Frauen. Aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung sowie statistischer Alterung der Bevölkerung wird mit einem Ansteigen der Fallzahlen gerechnet. 

Die Ursachen eines abdominalen Aortenaneurysmas sind vielseitig. Dazu zählen neben Alter und Geschlecht auch das Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und genetische Prädisposition. 

Wann muss ein Bauchaortenaneurysma operiert werden?
Kann man mit einem Aneurysma leben?

Zunächst gibt es unterschiedliche Aortenaneurysma Klassifikationen:

  • Aneurysma verum: Echtes Aneurysma, alle drei Wandschichten sind erweitert. 
  • Aneurysma spurium: Falsches Aneurysma, Einblutung ins umliegende Gewebe, täuscht die Erweiterung des Blutgefäßes lediglich vor. 
  • Aneurysma dissecans: Hier tritt Blut zwischen die Gefäßschichten und spaltet diese auf (disseziert). Ist die Aorta betroffen, spricht man von Aortendissektion.

Nicht alle Erweiterungen der Bauchaorta sind gefährlich. Das Risiko einer Ruptur steigt aber mit zunehmendem Durchmesser des Bauchaortenaneurysmas exponentiell an. Wird eine große Erweiterung der Bauchaorta entdeckt, ist eine Operation dringend empfohlen. Nach aktuellen Leitlinien wird eine elektive operative Therapie ab einem Durchmesser des Aneurysmas von 50-55 mm bei Männern und 45-50 mm bei Frauen vorgenommen. Bei den kleineren abdominalen Aortenaneurysmen empfehlen Experten regelmäßige Kontrollen, um die Wachstumsgeschwindigkeit des Aneurysmas abschätzen zu können. Rupturierte abdominale Aortenaneurysmen erfordern eine sofortige Notfallversorgung. 

Kann sich ein Aortenaneurysma zurückbilden?
Was kann man gegen ein Aneurysma tun?

Ist das Aneurysma einmal entstanden, kann es von selbst nicht mehr kleiner werden. Betroffene Patienten können versuchen, das weitere Anwachsen zu verhindern: Bei den kleinen Aneurysmen mit einem Durchmesser von weniger als 45-50 mm erfolgt die Aortenaneurysma Behandlung medikamentös, um den Blutdruck und den Cholesterinspiegel zu senken sowie mit der Veränderung des Lebensstils – zum Beispiel aufhören zu rauchen.

Diagnose und Therapie von Aneurysmen

Wie merkt man ein Bauchaortenaneurysma?
Wie kann man ein Aneurysma vorbeugen?

Die meisten Aneurysmen werden zufällig während einer aus einem anderen Grund durchgeführten Untersuchung entdeckt. Eine schnelle und kostengünstige Möglichkeit zum Screening von abdominalen Aortenaneurysmen bietet eine Ultraschalluntersuchung. Seit Anfang 2018 ist es in Deutschland für gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 Jahren möglich, eine einmalige Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung des abdominalen Aortenaneurysmas in Anspruch zu nehmen. 

Das Durchmesserkriterium bietet nur eine grobe Schätzung und ist wenig patientenspezifisch. Daher sollen zusätzlich andere Faktoren in die Entscheidung über einen Eingriff einbezogen werden, etwa das Wachstum und die Morphologie des Aortenaneurysmas, Lebensstil und vorhandene Begleiterkrankungen. Ferner müssen bei der Indikationsstellung zu einer präventiven Aortenaneurysma Operation die Lebenserwartung des Patienten, der Behandlungswunsch und das Risiko einer OP berücksichtigt werden. Darüber hinaus muss beachtet werden, dass viele große unbehandelte abdominale Aortenaneurysmen oft zeitlebens stabil bleiben, in seltenen Fällen allerdings auch kleinere Aneurysmen unerwartet platzen können.

Aortenaneurysma Operation Risiken und Prognose
Wie gefährlich ist eine Operation an der Aorta?

Wird bei einem diagnostizierten abdominalen Aortenaneurysma zugunsten einer operativen Therapie entschieden, bestehen die beiden Möglichkeiten der konventionellen offenen chirurgischen Versorgung mit eingenähter Prothese oder der endovaskulären Aneurysmen Sanierung, bei der ein Stentgraft in das Aneurysma eingeführt wird. Beide operative Eingriffe sind aufwendig, teuer und können zu ernsthaften Komplikationen führen, wobei die minimalinvasive endovaskuläre Behandlung mittlerweile wesentlich häufiger durchgeführt wird. 

Die endovaskuläre Interventionen sind im Vergleich zu konventionellen Operationen zwar für die Patienten sehr schonend, weisen aber recht hohe Komplikationsraten auf. Im Fall einer Komplikation ist in der Regel eine Reintervention notwendig. 

Aus diesen Gründen spielt der Ansatz der personalisierten Medizin auch hier eine zentrale Rolle. Einer individualisierten Indikationsstellung und der möglichst zuverlässigen Prognose tatsächlich Ruptur gefährdeter abdominaler Aortenaneurysmen kommt eine überragende Bedeutung zu. 

Ausblick: Aortenaneurysma Behandlung mit präoperativer Planung

Die potenziell hochrelevanten patientenspezifischen Einflussgrößen des Rupturrisikos wie die Morphologie des Aneurysmas und die Eigenschaften der Arterienwand und des intraluminalen Thrombus können mithilfe der mathematischen Modellierung in medizinischer Simulation berücksichtigt werden. Physikbasierte Simulationsmodelle unter Verwendung von patientenspezifischen Daten ermöglichen einen deutlich differenzierteren Ansatz zur Vorhersage des individuellen Rupturrisikos von Aortenaneurysmen. Die Simulationsumgebung kann in ein Expertenanalysesystem für den klinischen Gebrauch integriert werden, das die prädiktive Beurteilung und Klassifizierung von abdominalen Aortenaneurysmen hinsichtlich des patientenspezifischen Rupturrisikos erlaubt sowie eine präoperative Planung durch die patientenspezifische Simulation eines Eingriffs unterstützt. 

Zusammen mit der TU München hat CADFEM Medical ein R&D Projekt gestartet, um eine medizinische Software (docq AAA) zur Risikobewertung von abdominalen Aorten Aneurysmen zu entwickeln.